Herkunft

Woraus wurde die Huhnschecke erzüchtet?

In der deutschen Musterbeschreibung heißt es: Vermutlich aus Florentinern, Nürnberger Bagdetten und Türkentauben herausgezüchtet. Sicher ist dies richtig, aber nach meiner Meinung nicht ganz vollständig und es bedarf einer kurzen Erläuterung.


Unzweifelhaft dürfte heute sein, dass die Florentinertaube maßgeblich an der Entstehung der Huhnschecke beteiligt war. Bei der Aufzählung der weiteren Ahnen wird es dann schon schwieriger. Die wohl vorherrschende Auffassung früherer Taubenschriftsteller, dass Nürnberger Bagdetten eingekreuzt wurden, ist nicht von der Hand zu weisen. Diese wurden zur Verbesserung des gewünschten, reichlich langen und mäßig gewölbten Kopfes eingebaut. Auch die Tatsache, dass die Nürnberger Bagdetten seinerzeit große Verbreitung in Oberösterreich hatten, unterstreicht diese Theorie. Eingekreuzt wurde auch eine türkische Taube mit heller Grundfarbe und farbigen Schildern. Diese Tauben waren unter dem Namen Schnablacken bekannt und sollen durch die früher osmanische Herrschaft über Ungarn in dieses Land und nach Österreich gelangt sein. Durch die Verwandtschaft mit dieser heute nicht mehr bekannten Rasse wäre auch die damals häufiger anzutreffende Namensgebung Ungarische Taube zu erklären. Diese auch etwas mysteriöse türkische Taube hat bei einigen Experten vergangener Jahrzehnte zu weiteren Überlegungen Anlass gegeben. Von ihnen wurde dargelegt, es habe sich nicht um eine türkische Taube gehandelt, sondern um die indische Kalpotia Taube, die durch türkische Machteinflüsse in den Balkan und damit nach Ungarn und Österreich gelangt sei. Diese Art ist heute völlig unbekannt. Allerdings wird sie von Joachim Schütte in seinem Werk Handbuch der Taubenrassen noch beschrieben. Die Kalpotia Taube soll eine umgekehrte Lahorezeichnung gehabt und so maßgeblich zur Entwicklung der Huhnschecke beigetragen haben.


Bewiesen ist dies alles freilich nicht, so müssen wir es zur Kenntnis nehmen und vielleicht in den Bereich der Spekulation rücken. Aber was wäre unsere Taubenzucht wenn immer alles klar und berechenbar ist. So wollen wir uns damit begnügen, in die Kinderstube dieser ungewöhnlichen Taube Einblick zu nehmen. Besondere Verdienste sind hier den Züchtern aus dem Mattigtal rund um Mattighofen zuzuschreiben.


Auch die bayerischen Züchter haben in den letzten 20 Jahren verdienstvoll zur Verbesserung des Zuchtstandes beigetragen.


Woher kommt die Huhnschecke?

Wenn man die Literatur durchliest, finden sich wenig konkrete Angaben über die Herkunft.

Im Jahre 1862 veröffentlicht Frantisek Spatny in Prag sein Werk "Taubenzucht in Böhmen". Hier spricht er von der "Linzer Taube". In der anschließenden Erklärung wird dann die Huhnschecke beschrieben.

Bei der 3. Auflage von Gottlieb Neumeisters großartigen Werk "Das Ganze der Taubenzucht", welches von Gustav Prütz 1876 herausgegeben wurde, wird die Huhnschecke als "Ungar´sche oder Händltaube" angesprochen. In der hier ebenfalls anschließenden Beschreibung wird wieder die Huhntaube in ihrer typischen Zeichnung beschrieben.

"Die Zeichnung ist die sogenannte Bandzeichnung und dieser Taube eigentümlich. Der weiße Streif zieht sich von der Schnabelwarze strohhalmbreit über die Mitte des Scheitels, immer breiter werdend, über den Nacken und Hinterhals, bis er sich mit dem weißen Oberrücken verbindet und in ihm aufgeht."

Es ist ohne Zweifel die Huhnschecke. Der gleichen Ansicht wie Neumeister ist auch Eduard Baldamus in seinem 1878 erschienenen Werk Die Tauben und das übrige Ziergeflügel. hier ist die Huhnschecke als Columbia hungarica = Ungarische Taube bezeichnet. Auch Jean Bungartz begeht 1885 diesen Fehler.

Erst Gustav Prütz spricht in seinem 1886 erschienenen Taschenbuchklassiker Illustriertes Mustertaubenbuch wieder von der österreichischen Herkunft der Huhnschecke.

In den folgenden Jahren wird in fast allen Beschreibungen Österreich als Erzüchterland angegeben. Sei es nun Dr. Huperz, Rudolf Ritter von Prus-Kobiersky, Richard John oder Emil Schachtzabel u. a.

Wir können deshalb mit gutem Gewissen behaupten:

Die Huhnschecke ist ein Kind Österreichs.


Verfasser: Alfons Ettengruber