Die Florentinerzüchter organisieren sich

Ein Wort zu den Florentinerzüchtern von Hermann Hacker


Es wäre um unseren Florentiner sicherlich schlecht bestellt gewesen, hätten sich nicht beherzte Züchter organisiert, um sich mit viel Engagement, ldealismus und Ausdauer wieder verstärkt unserer schönen Rasse anzunehmen. Es kristallisierten sich zwei Schwerpunkte in der Florentinerzucht heraus, nämlich in Süddeutschland, genauer südlich der Donau und in Sachsen, hier in der Gegend um Leipzig.


Der moderne Florentiner entsteht.


Vor allem unseren Zuchtfreunden aus Sachsen ist es zu verdanken, dass die Florentinerzucht wieder Aufschwung nahm. Große Verdienste hat sich hier unbestritten Ewald Schreiter aus Grüna erworben, den man mit Recht als „den Urheber des modernen Florentiners“ bezeichnen könnte. Er war es, der als erster 1923 einen einheitlichen Standard entwarf, der in vielen Punkten auch heute noch Gültigkeit besitzt. 1925 folgte ein Musterbild, das im Vergleich zu den Abbildungen im Mustertaubenbuch um die Jahrhundertwende revolutionär erscheint. Ferner gelang es Schreiter und seinen Mitstreitern in den folgenden Jahren durch die Einkreuzung von Maltesern den Florentiner zu einer Taube zu machen, die unseren heutigen Vorstellung schon nahe kommt.


Wieder ein Rückschlag.


Leider warfen die Unbillen der Zeit, der zweite Weltkrieg, die Florentinerzucht in eine erneute, schwere Krise. Nur wenige gute Zuchtpaare konnten gerettet werden, die Florentinerzucht lag erneut am Boden. Wieder waren es vorwiegend die Züchter aus Sachsen und Bayern, die in den nächsten Jahrzehnten in mühevoller Kleinarbeit dem Florentiner wieder zu Quantität und Qualität verhalfen. Namen wie A. Winkler, E. Schreiter, O. Grasser, F. Kastl, O. Mühlherr, S. Hirtreiter, um nur einige exemplarisch zu nennen, stehen dafür.


Entwicklung bis dato


Dass dieser Prozess durch die Trennung unseres Vaterlandes in Ost und West erheblich erschwert wurde, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Umso größer war unsere Freude, als 1989 die Mauer endlich fiel und die Freunde unserer schönen Rasse sich wieder austauschen konnten. Seit 1992 sind wir in unserem SV wieder alle organisiert, bereit dem Florentiner den Stellenwert zukommen zu lassen, den diese über 200 Jahre alte Rasse verdient. Ein orientierungsweisender neuer Standard sowie ein neues Musterbild, aber nicht zuletzt ein qualitativ hochwertiger Zuchtstand machen Mut für die Zukunft.


Schließen möchte ich meine Ausführungen mit den Worten unseres Freundes und Gönners des SV, Otto Mühlherr, der da einmal gesagt hat:


„Der Florentiner ist eine Taube für Augenmenschen, für Leute, die Tauben noch mit Blicken genießen können. Er macht der Stadt seiner Herkunft, Florenz, der Stadt der Medici, alle Ehre".