Herkunft

Woher kommt eigentlich unsere Florentinertaube? Wie aus ihrem Namen unschwer zu entnehmen ist, soll sie aus Italien, genauer aus Oberitalien stammen. Ihr züchterischer Ursprung soll in der Gegend um Pisa, Modena, Piemont und Florenz zu suchen sein. Alte italienische Bezeichnungen und Huhntaubenrassen, die bei ihrer Erzüchtung Pate standen, wie Tronfo, Livroneser, Piemonteser, Modeneser, Leghorn-Runt deuten darauf hin. Dass diese seine Urahnen mit unserem heutigen Florentiner nur wenig gemein hatten, ist aus der älteren Literatur zu entnehmen. M. Bechstein beschreibt schon im Jahre 1793 in seinem Werk „Gemeinnützige Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ eine Rasse“ von der Größe eines engl. Zwerghuhns, dessen Beine hoch und dessen Schwanz kurz sei und gerade in die Höhe stehe“. Ferner erwähnt er nur den blauen Farbenschlag in einer nur unvollständigen Zeichnung (teils ohne farbigen Schwanz und mit farbigen Handschwingen). Auch den Namen Florentiner - er soll nach Prütz zum ersten Mal 1836 von G. Neumeister gebraucht worden sein - verwendet er noch nicht, sondern spricht von Hinkeltaube, was nichts anderes als Huhntaube bedeutet. Da er den Begriff Huhntaube ohne weitere Klassifizierung verwendet, darf davon ausgegangen werden, dass der Florentiner zu dieser Zeit der einzige und damit älteste Vertreter der Huhntaubenfamilie in Deutschland war.



Woraus nun aber wurde der Florentiner erzüchtet?


Es sei hier auf zwei Theorien verwiesen, die sowohl in der Literatur am häufigsten genannt werden als auch am plausibelsten erscheinen. H. Schilgen aus Schöningen beschrieb 1905 bei Lavalle und Lietze die Florentinertaube als die „größte der Huhntauben“. Sie wäre gewissermaßen ein „Abfallprodukt, entstanden durch Auslese auf Größe gezüchteter Modeneser“. Andere alte Kenner wie Bonnizzi, Prütz sowie der Freiherr v. Washington vertreten die Ansicht, der Florentiner sei eine Kreuzung aus Modeneser Gazzi mit der älteren Form des Maltesers, dem Leghorn-Runt. Eine wissenschaftlich fundierte Antwort auf diese Frage wird schwerlich möglich sein, letztere Annahme erscheint jedoch als die wahrscheinlichere.



Wie kam der Florentiner zu uns?


Der Weg des Florentiners weist von Oberitalien zunächst nach Österreich. Um 1800 soll er von Kaufleuten und Händlern nach Niederösterreich und die Steiermark gebracht worden sein. In der Zucht auf Masse und Größe verfeinert wurde er dort unter verschiedenen Namen wie zum Beispiel Salzburger, Tiroler oder Steiermärkler bekannt. Um 1880 gelangte er von hier aus nach Deutschland, vorwiegend nach Süd- und Mitteldeutschland. Thüringen und Sachsen, das Rhein-Main-Gebiet sowie Ober- und Niederbayern wurden seine neue Heimat. Zu dieser Zeit begann, lassen sie es mich so formulieren, die erste Durststrecke für unseren Florentiner. Um 1905 - 1915 wurde aus ihm zum einen durch Einkreuzung des Bayerischen Straßers, der heutigen Böhmentaube (Ziel war die Verbesserung und Verfeinerung von Farbe und Zeichnung sowie Erzüchtung neuer Farbenschläge), zum anderen durch Einkreuzung von Römern eine zwar schwere und massige Wirtschaftstaube gemacht, die jedoch um ihr einzigartiges Wesensmerkmal, der Huhntaubenfigur, beraubt war. Kurzer Hals, niedriger Stand, langer abfallender Rücken sowie eine nur noch leicht ansteigende Unterlinie waren die charakteristischen Rassemerkmale bis vor dem ersten Weltkrieg. Eine immer kleiner werdende Zuchtbasis sowie die anschließenden Kriegswirren taten ihr Übriges dazu.